Pulp Fiction

Vor bald 20 Jahren startete Pulp Fiction in den Kinos. Ich war damals Filmvorführer im Bochumer Cinema (das gibts nicht mehr, aber das zu der Zeit zugehörige Metropolis im Hauptbahnhof ist sogar neu renoviert). Auf eine große Filmspule passten etwa 140 Minuten. Pulp Fiction hatte 154. Also: Das Ding auf zwei Spulen ziehen und irgendwann beim Aktwechsel überblenden. Das war natürlich immer etwas kitzlig. Wenn man das nicht von Hand machen wollte musste man Folien-Codes kleben, die beim Durchlauf abgetastet wurden und die Projektoren steuerten: Eine Foliensequenz kurz vor dem Wechsel damit der Zweit-Projektor schon mal anlief und eine zweite die dann nahtlos von einem Projektor zum anderen schaltete (Licht/Ton). Das klappte, ohne Frage, aber man musste schon den genauen Zeitpunkt abpassen um zu sehen ob alles planmäßig ablief, was nicht immer der Fall war. Und es konnte schon mal passieren, dass man da just im Gespräch mit der Kartenverkäuferin war und das Publikum eine ganze Weile im Dunkeln saß und darauf vertraute dass sich schon jemand kümmern möge – man glaubt ja gar nicht wie lange es dauern kann bis dann ein Zuschauer seinen Kopf aus dem dunklen Kinosaal steckt und Meldung macht….

Deshalb hatten wir beschlossen „Pulp Fiction“ ohne Überblendung zu zeigen. Also 14 Minuten zu viel auf die Spule packen, so dass ein Teil überstand. Das bescherte uns Vorführern ruhige Vorführ-Abende. Es sein denn, der Überstand war nicht ganz mittig oder die Spule nicht gut zentriert oder was auch immer: Dann hatte man Filmsalat. Und 14 Minuten Filmmaterial können einen Vorführraum schon gut ausfüllen (das sind über 400 Meter!) – Ausfallende Vorstellung, Film entheddern und wieder aufwickeln bis tief in die Nacht und tanzende grün-blaue Laufstreifen bei den nachfolgenden Vorführungen waren dann die Folge.

Ach ja, das galt natürlich nur für die Vorführungen im Cinema. Im Metropolis hatten wir schon Teller.


In Anlehnung an das Techniktagebuch möchte ich hier in loser Folge von meinen kleinen und größeren Widrigkeiten mit technischen Apparaten berichten…

Leistungsschutzrecht: Webschau

Anlässlich der morgen anstehenden unsäglichen Entscheidung des Bundestages zum Leistungsschutzrecht, poste ich hier anstatt eines eigenen Kommentars ein paar lesenswerte Beiträge zum Thema:

heise.de: „Lex Google“: Schwarz-gelb will überarbeitetes Leistungsschutzrecht durchpauken

Sascha Lobo auf spon.de: Die Eigentorheit der Verlage

Stefan Niggemeier (alle Blog Beiträge von ihm zum Thema)

Markus Beckedahl auf netzpolitik.org: Journalisten gegen Leistungsschutzrechtsunsinn

Johannes Boie auf sueddeutsche.de: Streit mit Kettensäge statt Florett

Springer, Burda, Koalitionspolitiker: Fuck You Very Much!

 

 

Das geht zurück (kindle ebook „Tiere essen“)

Vorweg: ich liebe es mittlerweile Bücher elektronisch zu lesen. Es ist bequem, augenfreundlich und alles. Dafür nehme ich sogar in Kauf DRM geschützte Inhalte zu „kaufen“ – was ich bei Audio und Video immer vermieden habe. Ich nehme auch zähneknirschend in Kauf, dass die Verlage hierzulande die durch digitale Produktion eingesparten Produktionskosten nicht, oder nur in geringem Maße, an die Leser weitergeben. So kostet mich die kindle-Version von Jonathan Safran Foers „Tiere essen“ genau die 9,99 die mich die Taschenbuchausgabe gekostet hätte (ja, der Mehrwertsteuersatz ist nicht der gleiche, aber Amazon verkauft ja, soweit ich weiß gar nicht nach dem deutschen Satz – und jetzt wird es kompliziert, deshalb kürze ich hier einfach ab.)
Was bekomme ich? Ein vom betreuenden Verlag Kiepenheuer & Witsch so schludrig hingehauenes Produkt, dass ich es zurückgegeben habe.
Zum Einen: es gibt keine (der Buchausgabe entsprechenden) Angabe von Seitenzahlen. Das ist für ein Sachbuch, aus dem man ggf. auch mal zitieren möchte, schon ein no-go. Klar, es gibt die amazon-eigenen „Positionen“, die sind aber mit nichts vergleichbar. Und üblich ist die Seitenangabe bei anderen Büchern durchaus.
Dann: für ein Sachbuch nicht ungewöhnlich gibt es drei Anhänge: die original Anmerkungen, Anmerkungen zu den im Text vorkommenen amerikanischen Besonderheiten und deren Gegenüberstellung mit Deutschland (von einer hiesigen Vegetarier oder Veganer Organisation hinzugefügt) und schließlich ein ausführliches Register. All diese Anmerkungen – wir befinden uns in der eBook Variante – verweisen, genau, auf Seitenzahlen des Buches. Diese gibt es nicht (s.o.). Seufz.
Es wäre sogar ein Leichtes gewesen, diese mit den entsprechenden Textstellen zu verlinken (das, lieber Kiwi-Verlag, ist eine der Schlüsseltechnologien die das Internet hervorgebracht hat und selbiges so erfolgreich macht, dass es euch vermutlich überleben wird). Das ist auch nicht geschehen. Seufz Seufz.
Das ganze Werk ist so völlig unbrauchbar. Es ist reiner Fließtext ohne Mehrwert. Ach, schlimmer noch, das gedruckte Buch ist in diesem Falle so überlegen dass ich mir dieses nun in einer Bibliothek besorgen werde. Mein Geld bekommt ihr nicht, liebe Verlagsmenschen (und bei amazon konnte ich es bereits erfolgreich zurückbuchen). Macht erstmal euern Job – wenn ihr ihn noch eine Weile behalten wollt.